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Hinweis: Für die folgenden Informationen zum Thema Borderline benötigst Du insgesamt etwa 38 Minuten Lesezeit. Diese Informationen sind für Dich relevant, wenn Du ein Angehöriger, Familienmitglied, Kollege und Partner eines Borderliners bist oder Du in sonstiger freundschaftlicher Beziehung stehst.

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101 Tipps für eine konfliktfreie Borderline-Beziehung

 


 

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Borderline ist eine Herausforderung für jede Beziehung?

Dein Partner hat Borderline und du hast es vor einiger Zeit oder gerade eben erst erfahren. Das ist für dich zunächst einmal erschütternd.

  • Was bedeutet Borderline für euch als Paar?
  • Wie wird sich diese psychische Erkrankung auf eure Beziehung auswirken?
  • Habt ihr bei Borderline überhaupt eine Chance miteinander?

Glückliche Beziehungen sind grundsätzlich auch zwischen einem oder gar zwei Borderlinern möglich, denn trotz der Borderline-Erkrankung ist der Mensch, in den du dich einst verliebt hast, noch da. Allerdings funktionieren solche Beziehungen nur, wenn sich beide bewusst sind, was die Diagnose Borderline für die Liebe bedeutet – und, wenn beide bereit sind, auch einmal schwierige Phasen miteinander durchzustehen.

Borderliner haben es aufgrund ihrer Verhaltensweisen schwer, stabile Beziehungen aufzubauen und diese aufrecht zu erhalten. Meistens gibt es eine wunderschöne, romantische Anfangszeit, doch bald kommt es zu Streitigkeiten, Lügen, Manipulationsversuchen, einem schmerzhaften Wechsel zwischen Nähe und Distanz und einer Lebenssituation, die für dich nur sehr schwer zu ertragen und auszuhalten sein kann.

Die Verhaltensweisen deines Borderline-Partners sind für dich nicht verständlich und verletzen dich, da du sie nicht einordnen kannst. Selbst, wenn du alles über die Störung lernst, treffen dich diese Verhaltensweisen immer noch mitten ins Herz. Eine Beziehung kann also nur funktionieren, wenn beide sich helfen lassen. Der Borderliner braucht eine Therapie und du musst lernen, seine Verhaltensweisen und sein Innerstes zu verstehen.

Borderliner können lieben

Es gibt Persönlichkeitsstörungen, die ein Gefühl echter Liebe unmöglich machen, doch Borderline gehört nicht dazu. Wenn also zwischen euch die Liebe noch da ist und es außer den schlechten Erinnerungen auch gute gibt, dann ist das ein guter Grund, zu bleiben und trotz der Erkrankung an der Beziehung zu arbeiten. Borderline ist kein pauschaler Trennungsgrund.

Nachdenklich werden solltest du, wenn dein Partner jegliche Therapie verweigert oder du merkst, dass es trotz einer Borderline-Therapie nicht besser wird und dich das zu sehr belastet. Denn dann kann sich an eurer Lebenssituation auch nichts bessern, vielmehr wird es für dich immer schlimmer.

Vor allem aber ist das auch keine Liebe, denn ein Borderline-Patient will im Herzen nicht, dass es dem geliebten Menschen schlecht geht. Wenn das nur durch eine Therapie möglich ist, dann sollte die Liebe zu dir doch ein mehr als ausreichender Grund sein, diese Hilfe anzunehmen.

Liebe überwindet leider nicht alle Hindernisse, das zeigen Beziehungen mit Borderlinern immer wieder. Die Anfangszeit wird beinahe noch schöner als ein Kennenlernen zweier gesunder Menschen verlaufen, denn du wirst idealisiert. Dadurch hast du selbst das Gefühl, als würdest du jemanden kennen lernen, der perfekt zu dir passt.

Borderliner reagieren übertrieben emotional auf bestimmte Reize. Borderliner schätzen zwischenmenschliche Situationen falsch ein und reagieren dann auf eine Art, die niemand außer ihnen verstehen kann. Borderline führt oft zu übertriebenem, aggressivem und seltsamem Verhalten, das sich gegen dich und andere richtet.

Wenn du aussprichst, dich trennen zu wollen, kannst du damit rechnen, dass dein Borderliner dir droht und ohne dich nicht mehr weiterleben will. Lügen kommen bei Borderline schon viel früher ins Spiel, etwa bei Verlassensängsten.

  • Du willst dich gerade für den freien Abend mit deinen Freunden fertig machen, doch plötzlich geht es deinem Partner schlecht und er oder sie bittet dich, lieber zu Hause zu bleiben?
  • Nur, damit sich dann herausstellt, dass es doch nicht so schlimm ist?
  • Oder ist dein Autoschlüssel unauffindbar und taucht dann in der Handtasche der Freundin auf, nachdem du abgesagt hast?

Wenn es schon so weit ist, dass du ständig befürchtest, dass dein Borderline-Partner gleich wieder ausrastet und dir unangenehm wird, dann ist die Beziehung eigentlich längst vorbei und es wird schwer, das wieder zu kitten. Versuche, dir vorzustellen, wie dein Leben aussähe, wenn du dich trennst.

  • Siehst du etwas, was du gerne erleben würdest?
  • Ruhe, Frieden, Zeit für dich, Freiraum?
  • Oder glaubst du, du würdest deinen Partner sehr vermissen?

Es wird Situationen geben, in denen dein Partner klammert, dich einzuengen versucht, sehr viel Aufmerksamkeit und Zuwendung fordert oder gar wieder in alte Muster zurückfällt und lügt oder manipuliert. Du musst verstehen, dass das von der Angst vor Zurückweisung herrührt und dir nicht schaden soll.

 

Édouard Sevier

Édouard Sevier (Experte für Borderline Beziehungen)

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Es erklärt in kompakter Form, wie Dir eine glückliche und konfliktfreie Beziehung zu einem Borderliner gelingen kann. Dieser Ratgeber ist nicht nur für Partner, sondern auch für Angehörige, Freunde und Kollegen von Borderline-Betroffenen hervorragend als Hilfestellung im Alltag geeignet. 

 

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Borderline – ergänzende Informationen

Vielleicht hast Du nach einer langen Zeit seelischer Anspannung durch Deinen Partner den Verdacht, dass dieser an einer Persönlichkeitsstörung mit der Bezeichnung „Borderline“ leiden könnte. Damit wäre zwar so manches irrationale Verhalten, und mancher nicht erklärbare Wutausbruch erklärbar geworden – aber wie geht es nun weiter? 

  • Was bedeutet die Diagnose Borderline für die Borderliner, was für deren unmittelbares Umfeld? 
  • Wie geht man mit Borderline um, was können die Ärzte tun? 
  • Wie ist die Zukunftsprognose bei Borderline? Welchen Borderlinetypus gibt es? 
  • Welche Borderline-Symptome treten bei diesem Krankheitsbild meistens auf? 
  • Ist Borderline heilbar – oder wie die Ärzte bis vor Kurzen behauptet haben, ein lebenslanges emotionelles Desaster? 

Solche und ähnliche Fragen sollen hier beantwortet werden.

Wann spricht man von Borderline?

Im englischen Begriffsteil „Border“ für „Grenze“ ist bereits ein Teil der Geschichte dieses Begriffs enthalten. Früher benutzten Mediziner und Psychiater diesen Begriff nämlich anders als heute. Er diente seinerzeit dazu, einen Zustand zu beschreiben, der irgendwo im Grenzbereich von Psychose und Neurose angesiedelt wurde. 

Der Grund für diese vorläufige Einordnung lag darin, dass beim Borderline einige Symptome dieser beiden Erkrankungen gefunden wurden. Man rückte dieses Syndrom später sogar in die Nähe der Schizophrenie, weil man es in seiner multifaktoriellen Entstehung und komplexen Auswirkung nicht richtig erfassen konnte.

Heute sprechen wir von einer Persönlichkeitsstörung, und von einer eigenständigen psychischen Erkrankung. In neuerer Zeit hat sich der Blick auf das Borderline jedoch erneut gewandelt. Heute geht man davon aus, dass die Erkrankung multikausal und multifaktoriell entsteht. Noch wichtiger ist neusten Erkenntnissen zufolge, dass das Borderline sich entgegen früherer Annahmen durchaus heilen lässt. Diese Möglichkeit steht aber mangels ausreichender Therapieplätze und ausgebildeter Therapeuten bisher noch nicht allen Erkrankten zur Verfügung. Dazu später mehr.

 

Das Problemfeld des Borderline

Das Problem an dieser Borderline-Persönlichkeitsstörung ist, dass sie mit einer ganzen Reihe verwirrender Symptome einhergeht. Zudem können begleitend auch weitere psychische Störungen im Umfeld der Borderline-Persönlichkeiten auftreten. Das erschwert zumindest für die nächsten Verwandten, oder das gesamte Umfeld der Borderline-Betroffenen, den Umgang mit diesen Menschen. Borderliner schweben ihrem Verhalten nach ständig an der Grenze zwischen seelischer Gesundheit und Krankheit. Sie schwanken beständig zwischen Normalität und unerklärlich irrationalem, spontanem und impulsgesteuertem Verhalten hin und her. 

Borderliner können in einem Moment total euphorisch und energiegeladen sein, aber im nächsten Moment können sie in tiefe Depression verfallen. Manchmal scheinen sie vollkommen rational zu sein. Man hat dann den Eindruck, sie seien nicht wesentlich anders, als andere Menschen. Im nächsten Moment beweisen sie Dir das Gegenteil.

Borderliner sind unfähig, zwischen gesunder Nähe und gesunder Distanz zu unterscheiden. Der Grund liegt oft, aber nicht immer, in früh erlebten Grenzverletzungen. Mehr als die Hälfte der Borderliner haben psychischen oder sexuellen Missbrauch erlebt. Ebenso viele berichten in der Therapie von emotionaler Vernachlässigung, Gefühlskälte, oder grausamen und emotionslosen Eltern. 

Bei manchen ist eine frühkindliche Erkrankung, die einen langen Krankenhausaufenthalt nötig machte, zum auslösenden Trauma geworden. Bei anderen waren es ein Vater oder eine Mutter, die nach einem Unfall jahrelang im Koma lagen, und Zuhause gepflegt wurden. 

Viele Betroffene von Borderline erlebten sich in ihrem sozialen Umfeld immer als unterlegen, nicht dazugehörig, problematisch. Sie wurden aus ihrer Sicht belächelt, fühlten sich fremd oder gedemütigt. 

Fakt ist aber, dass es auch ganz normale Familienverhältnisse gibt, in denen Borderline vorkommen kann. Das spräche zum Beispiel für eine gewisse Veranlagung, oder eine hirnorganische Besonderheit. Beides ist inzwischen bewiesen. Bekannt ist auch, dass Borderline individuelle Ausprägungen und Folgen haben kann.

Die Grenzen zwischen den emotionellen Zuständen, in denen Borderliner sich wiederfinden, verschwimmen ständig. 

Dieses ständige Hin und Her zwischen empfundener innerer Taubheit und Emotions-Overkill ist nicht nur für die nahestehenden Personen von Borderlinern schwer auszuhalten und zu verstehen. Auch die Betroffenen selbst halten es kaum aus. Sie sind sich ihrer Andersartigkeit bewusst, ohne die Ursachen dafür erkennen zu können. 

Abstellen können Borderliner auch beim besten Willen ihre Wutausbrüche und Gefühle nicht. Vielfach fühlen sich die nahestehenden Menschen eines Borderliners wie ein Spielball, der auf wild wogenden Wellen hin- und hergeworfen wird, und seine Orientierung an eigenen Werten nach und nach vollkommen verliert, wenn er sich nicht beständig neu erden kann. Daher ist es für beide Seiten wichtig, sich mit der Erkrankung Borderline und ihren teils dramatischen Folgen zu befassen.

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Wie wird die Diagnose für Borderline gestellt?

Leider gibt es derzeit noch keinen verlässlichen Test, der eine Borderline-Störung anhand verschiedener Fragen, Laborwerte und Parameter klar diagnostiziert. Bestenfalls kann ein Hirnscan einige Besonderheiten im Aktivitätslevel verschiedener Hirnareale aufweisen. Manche Hirnareale sind bei Borderline aktiver als gewöhnlich, andere aber weniger aktiv als erforderlich. Es bleibt den Borderlinern derzeit nur, durch mehrere Gespräche mit erfahrenen Therapeuten herauszufinden, was Sache ist. In der Regel wird der Patient bei Verdacht auf eine Borderline-Störung von seinem Hausarzt an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, oder einen Psychotherapeuten überwiesen. 

Sowohl eine mögliche Schizophrenie, als auch eine begleitende Depression werden bei solchen Gesprächen ins Auge gefasst. Wichtig ist, dass es sich um einen speziell ausgebildeten Therapeuten handelt, der sich bereits mehrere Jahre mit Borderline befasst hat. Er sollte den aktuellen Forschungsstand kennen. Entsprechende Informationen zu Borderline sind bei den psychologischen Dachverbänden abrufbar.

In der ICD-10 werden unter dem Begriff „Emotional instabile Persönlichkeit“ zwei verschiedene Unterarten von psychischer Erkrankung unterschieden: der impulsive Typus und der Borderlinetypus. 

Um eine unterscheidende Diagnose für diese beiden Typen seelischer Erkrankung zu erhalten, wurden für beide bestimmte Kriterien erarbeitet. Demnach müssen für die Diagnose einer emotional instabilen Persönlichkeit des impulsiven Typus zumindest drei der fünf erarbeiteten Krankheitsmerkmale vorliegen, von denen das erste unbedingt gegeben sein muss. Diese Kriterien lauten:

  • Neigung zu Streitigkeiten und Konflikten durch impulsive, unüberlegte Handlunge
  • Neigung zu spontanen Handlungen, deren Folgen nicht berücksichtigt werden
  • Neigung zu explosivem Verhalten, Wutausbrüchen oder Gewalt ohne eigene Kontrollmöglichkeit
  • Probleme, mit anderer verabredetes Handeln beizubehalten, wenn keine sofortige Belohnung dafür erfolgt
  • Unberechenbarkeit und Wankelmütigkeit in der Stimmungslage.

Auch beim Borderline-Typus müssen mindestens drei der eben genannten Krankheitsmerkmale vorliegen. Dazu addieren sich aber noch weitere Besonderheiten, nämlich

  • die erkennbare Unsicherheit bezüglich eigener Ziele, Wünsche und des eigenen Selbstverständnisses
  • die Neigung zu impulsiven, romantisierten und daher instabilen Beziehungen
  • die übertriebene Angst, verlassen zu werden; entsprechende Bemühungen, Menschen durch Drohungen oder anderes fester an sich zu binden
  • mehrfache Drohungen, sich selbst etwas anzutun; selbstverletzendes Verhalten
  • ein dauerhaftes Gefühl der Wertlosigkeit und inneren Leere.

Die Borderline-Störung beeinflusst die Gefühlsebene ebenso wie die impulsiven Handlungen. Die Wahrnehmung der Welt, oder der Gedanken oder Gefühlen anderer Menschen folgt bei Borderline ganz eigenen Sichtweisen. Diese sind verzerrt und sprunghaft. Die Identität der Borderliner wird durch die Erkrankung ebenso verändert, wie ihre Selbstwahrnehmung. 

Borderline ist eine sehr komplexe Persönlichkeitsstörung, die viele individuelle Ausprägungen haben kann. Deswegen ist sie für Nicht-Betroffene im Umfeld eines Borderliners so schwer zu fassen. Die ständigen Stimmungsschwankungen, die spontanen Gefühlsausbrüche, die unkontrollierte Wut, die innere Leere und die Langeweile, das erschlagende Gefühl des Verlassen-Seins und der Einsamkeit, das mit verzweifelten Beziehungsversuchen beantwortet wird – all das kennzeichnet das Erleben von Borderlinern.

Schätzungen zufolge sind etwa zwei Prozent der Deutschen Bevölkerung – zumindest den oben genannten diagnostischen Kriterien zufolge – zeitweise von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung betroffen. 

Es fällt in der Statistik auf: Vornehmlich sind die Betroffenen eher jung. Sie machen den Großteil der Borderliner aus. In der Altersgruppe der über 40-Jährigen verharren deutlich weniger Menschen in einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, nämlich geschätzt nur noch 0,6 Prozent der Bevölkerung. 

Die Medizin erklärt das Entstehen der Erkrankung derzeit mit einem bio-psychosozialen, oder einem multifaktoriellen Entstehungsmodell. Demnach entsteht eine Borderline-Persönlichkeitsstörung durch genetische Faktoren, unverarbeitete traumatische Erfahrungen und fehlgesteuerte Lernprozesse. Dazu addieren sich andere Faktoren wie falsch angelegte neuronale Spuren, die die Wahrnehmung verzerren, und hirnorganische Gegebenheiten, die die Aktivität von bestimmten Hirnarealen mehren oder mindern. Diese Faktoren führen im Zusammenwirken zu widersprüchlichen und impulsgetriebenen Verhaltensmustern, und weitgehend impulsgesteuerten Gefühlswelten.

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Das widersprüchliche Erleben Borderline

Borderliner handeln häufig aus einem spontanen Impuls heraus, ohne sich den möglichen Folgen ihres Tuns für andere oder sich selbst zu stellen. Typisch bei Borderline sind auch die latente Suizidalität und das Muster selbstverletzenden Verhaltens – oder der Androhung beider. Damit kann man aus Sicht der Borderliner das erwünschte Verhalten erzwingen, oder sein Gegenüber in einen Schuld- oder Schockzustand versetzen, sodass er sich Sorgen macht. 

Das hat vielleicht zur Folge, dass das Gegenüber seine Entscheidungen überdenkt. Das zumindest hoffen die Borderliner. Die Selbstverletzungen dienen aber auch der Entlastung von Stress, innerer Seelenqual und Kummer. Oftmals ist ihre eigene Gefühlswelt für Borderliner so verwirrend, belastend und unerträglich, dass sie einen Teil ihres Erlebens von sich selbst abspalten. Man nennt das Dissoziation. 

Diese sorgt dafür, dass Borderliner zu bestimmten Zeiten scheinbar unbeteiligt und gefühlstaub an ihrem eigenen Leben und Fühlen teilnehmen. Sie scheinen nichts mit alle dem zu tun zu haben, was um sie herum geschieht. Die Folgen dessen, was sie in anderen auslösen, registrieren die Betroffenen dann nicht.

Problematisch ist auch die Auswirkung der Borderline-Persönlichkeitsstörung auf die eigene Identitätsbildung. Viele sind sich selbst fremd, haben ein erschlagendes Gefühl innerer Leere und Wertlosigkeit und mangelnden Identitätsgefühls. Daher bleibt ihnen nicht viel, als sich an den Erwartungen, Verhaltensweisen und Konventionen ihrer Mitwelt zu orientieren. Im Beruf können Borderliner daher durchaus funktionieren und – abgesehen von einigen verstörenden Reaktionen auf Kritik oder Ähnliches – mehrheitlich unauffällig bleiben. 

Auf der anderen Seite hängen sie sehr an ihren Freunden und Verwandten. Sie würden ohne Rücksichten auf sich selbst alles für die Menschen tun, die sie lieben. Wichtig ist für sie, von den anderen anerkannt und gelobt zu werden, weil das bedeutet, dass sie damit einen Beweis ihres Wertes haben. Doch bleibt das Lob einmal aus, schlägt das erschlagende Gefühl der Wertlosigkeit und Leere wieder zu.

Wie geht man mit einem Borderliner um?

Problematisch ist es, dass Borderliner nicht nur gefühlt, sondern auch ganz real durch ihre übermäßig impulsiven Handlungen und Entscheidungen immer wieder anecken. Sie werden daher oft kritisiert, abgelehnt, stoßen auf Unverständnis oder werden gemobbt. 

Wichtig ist es daher, ihnen immer Wertschätzung und Anerkennung zu signalisieren. Wenn die Diagnose Borderline endlich feststeht, haben beide Seiten die Chance, mit den emotionellen Krisen, den Gefühlsausbrüchen und -schwankungen der Borderliner besser umgehen zu lernen. 

Die Mitwelt sollte erkennen, dass die Betroffenen von ihrem eigenen Gefühlschaos oft überfordert sind. Sie können das Hin und Her ihrer eigenen Gefühle kaum selbst ertragen – geschweige denn, dass sie verstehen, warum sie so anders sind als andere. Stoßen sie auf Ablehnung oder mangelnde Anerkennung, verlieren sie vollkommen den Mut. Im Anschluss wissen sie erst Recht nicht, wie sie sich verhalten sollen. 

Die Frustrationstoleranz von Borderlinern ist gering. Sie benötigen ein Umfeld, das Bestätigung zum Zentrum des Umgangs macht. Dabei sollte aber auch der Mut aufgebracht werden, falsches oder rücksichtsloses Verhalten in geeigneter Weise anzusprechen.

Gelassenheit und Akzeptanz für die seelischen Nöte der Betroffenen sind die geeigneten Ratgeber. Es ist allerdings notwendig, dass grundsätzlich klare Grenzen definiert, und machbare Regeln für das Zusammenleben aufgestellt werden. Nur so kann eine engere Beziehung funktionieren. Sie muss genügend Vertrauen entstehen lassen, damit sie sich stabilisieren kann. 

Das Problem daran ist, dass die Borderliner keine Grenzen akzeptieren. Sie können die gesunden Grenzen anderer nicht erkennen, oder selbst keine Grenzen setzen. Daher sind durch Regeln und beziehungsdienliche Vereinbarungen auch Frustrationen vorprogrammiert. Grenzsetzungen enttäuschen die überhöhten Erwartungen der Betroffenen oft. Sie fühlen sich wie faule Kompromisse oder Bestrafungen zulasten der Betroffenen an. Diese erleben ihr Gegenüber manchmal als übermächtig, und sich selbst als machtlos. 

Zwar funktioniert innerhalb der gesetzten Grenzen manches besser. Es steht jedoch auch zu erwarten, dass die Grenzen gelegentlich bewusst überschritten werden, um mehr Anerkennung oder größere Freiheiten zu erzwingen.

Viele Borderliner neigen dazu, gesetzte Grenzen zu dehnen oder zu testen, indem sie sie absichtsvoll überschreiten. Bei manchen Menschen mit der Borderline-Persönlichkeitsstörung scheinen geradezu hochsensible innere Antennen zu existieren, mit denen unklare Grenzen und Vereinbarungen auf Lücken hin überprüfen können. Das ist für das Gegenüber oft schwierig. Mit genügend Empathie können die Grenzen aber erneuert werden. Bedingung dafür ist aber, dass Du als Gegenüber dem anderen signalisierst, dass Du seine Gefühle und den Grad seiner Enttäuschungen wahrnehmen kannst.

Bücher zum Thema Borderline

Wie können andere Menschen bei Borderline helfen?

Ein Plus ist, dass die meisten Borderliner durchaus daran interessiert sind, mehr über ihre Erkrankung zu erfahren. Sie sind begierig darauf, ihr Gefühlschaos besser zu verstehen. Um das Interesse zu befördern, ist die Teilnahme an Selbsthilfegruppen ebenso dienlich, wie das Lesen und Diskutieren von Büchern über Borderline. Einzelgespräche bei einem Psychologen können ebenfalls hilfreich sein.

Mit solchen Hilfestellungen und Aufklärungen gelingt es ihnen oft, ihr unerklärliches und strapaziöses Gefühlschaos besser zu verstehen. Sie können dann im Alltag besser damit zurechtkommen. 

Borderliner müssen lernen, sich im Beruf oder in Beziehungen nicht übermäßig zu verausgaben, sondern ihre Impulsivität im Zaum zu halten. Sie müssen zum Beispiel lernen, ihre Kräfte sinnvoll einzusetzen, statt ihr Gefühlschaos ständig auszuagieren, und massiv Energien zu verschwenden. Mit ihren perfektionistischen Selbstansprüchen ecken die Borderliner oft an. Daher müssen sie sich irgendwann zugestehen, Fehler machen zu dürfen, und eigene Bedürfnisse stärker zu achten. Zugleich müssen die Borderline-Betroffenen die Bedürfnisse anderer, die sie oft gar nicht erkennen können, achten lernen. Daher sollte das Gegenüber seine Bedürfnisse klar formulieren.

Auf der Beziehungsebene sind bei Borderline die meisten Schwierigkeiten zu erwarten, da die Emotionen eines Borderliners von einem Extrem ins andere fallen. Liebesbeziehungen und tiefere Freundschaften werden dadurch über Gebühr belastet. Auch das Verhalten von Borderlinern in der Freizeit, wo die soziale Kontrolle von Kollegen oder Vorgesetzten entfällt, kann verstörend und widersprüchlich sein. 

Viele Kinder und Ehepartner von Borderlinern können davon ein Lied singen. Manchmal sind Borderliner-Mütter wunderbare Spielkameraden. Zu anderen Zeiten vernachlässigen sie ihre Kinder, instrumentalisieren und überfordern sie durch ihre eigene seelische Befindlichkeit und Unberechenbarkeit. 

Manche Borderliner-Mütter ziehen sich tagelang – überfordert von den Ansprüchen anderer – in ihre Depression zurück. Sie fühlen sich einsam, wertlos und ungeliebt. Die Stabilität von Beziehungen leidet darunter enorm. Es bedarf viel Verständnisses und großer Empathie, um das Familienleben immer wieder ins Funktionieren zu bringen.

Wenn die Borderliner in Krisenzeiten ein eklatant ungesundes Verhalten zeigen, muss ihnen geholfen werden. Zu achten ist beispielsweise auf ein gesundes Ess-, Trink- oder Bewegungsverhalten. Der Borderliner benötigt außerdem genügend Schlaf – gerade in den Phasen, wo derjenige sich euphorisch verhält und energiegeladen ausagieren möchte. Viele Borderline-Betroffene entwickeln ein ungesundes Essverhalten. Sie entwickeln Ess-Störungen, oder trinken nicht genug, weil sie nicht genug auf eigene Bedürfnisse achten.

 

Irrtümer über Borderline

Beziehungen bei Bordeline sind schwierig

Zu Beginn einer Liebesbeziehung, wenn der Himmel noch voller rosafarbener Wolken hängt, fallen die verstörenden und irrationalen Verhaltensweisen eines Borderliners nicht unbedingt unangenehm auf. Beide Beziehungspartner wollen möglichst häufig und eng zusammen sein. 

Dennoch fühlen sich Borderliner in Beziehungen meistens unsicher, weil sie den anderen nicht richtig einschätzen können, und seine Signale folglich überbewerten oder übersehen. 

So kommt es in Liebesbeziehungen fast immer sehr bald zu atmosphärischen Störungen und Enttäuschungen. Ein Mensch mit Borderline versteht nicht, wie irritierend und irrational er auf andere wirkt. Er nimmt sein Gegenüber nicht mit den Augen „normaler“ Menschen wahr, sondern betrachtet und bewertet sie gefiltert durch seine gestörte Selbstwahrnehmung. 

Ihr geringes Selbstwertgefühl, ihre gefühlte Wertlosigkeit, ihr Drang nach permanenter Bestätigung durch den anderen werden bald zum Thema. Für einen neuen Beziehungspartner ist der ständige Wechsel zwischen überzogener Selbstliebe und innerer Taubheit, zwischen Selbstzerstörung und liebevoller Hinwendung nur schwer aushaltbar. Es kommt durch das Borderline zu fruchtlosen Diskussionen, Streitigkeiten und Unverständnis. Oftmals werden diese nicht auf die richtigen Ursachen zurückgeführt. Viele Borderline-Beziehungen zerbrechen frühzeitig an dieser Belastung.

Viele Borderliner idealisieren und romantisieren ihren neuen Liebespartner anfangs. Sie suchen permanent seine Nähe, und können gefühlt nicht mehr ohne ihn sein. Reagiert der Liebespartner aber nicht wie gewünscht, können sie die Beziehung ohne erkennbare Gefühle beenden. Es war ihnen nicht möglich, ausreichend Vertrauen in den Partner oder die Beziehung aufzubauen. 

Zugleich hatten sie ständig Angst, verlassen zu werden. Borderliner fühlen sich leicht gekränkt, missachtet, enttäuscht oder verletzt – auch wenn in einer Bemerkung des Gegenübers keine verletzende Absicht enthalten gegeben war. Alle, auch gänzlich harmlose Bemerkungen, werden von nun an auf ihren potenziellen Verletzungsgehalt geprüft. Misstrauen macht sich breit. Je öfter solche Menschen vermeintlich verletzt werden, desto weniger vertrauen sie anderen Menschen. Eine Spirale der stetigen Enttäuschung ist vorprogrammiert.

Die übersteigerten Erwartungen von Borderlinern lassen sich meistens nicht oder nicht vollumfänglich erfüllen – selbst wenn der Partner sich darum bemüht. Wenn der Partner keine ausnehmend starke Persönlichkeit hat, wird er leicht zum Spielball der Borderline-Gefühlswelten. Letzten Endes spielt es oft keine Rolle mehr, ob der Borderliner die Liebesbeziehung beendet – oder der Partner, der nach Jahren der On-und-off-Beziehung seelisch am Ende ist. 

Während die Borderliner sich häufig schnell in eine neue Beziehung stürzen, sind ihre Ex-Partner oft noch jahrelang mit der Aufarbeitung dessen befasst, was sie im Laufe der Beziehung mit einem Borderliner erlebt haben. Wahr ist aber auch, dass es durchaus langjährige Beziehungen und Ehen gibt. Das bedingt aber, dass beide Partner sich in großen Teilen zurücknehmen.

Eine besonders schwierige Situation entsteht, wenn in solchen Beziehungen kleine Kinder vorhanden sind. Die Kinder einer Borderline-Mutter leiden oft still. Sie erkennen die Ursachen ihrer seelischen Befindlichkeit ebenso wenig wie die der dissoziativen Mutter. Oftmals müssen sie Aufgaben oder Verantwortunglichkeiten übernehmen, für die sie noch viel zu klein sind. Psychische Auffälligkeiten oder Aggressionen bei den Kindern solcher Mütter sind vorprogrammiert.

Was können die Therapeuten bei Borderline bewirken?

Im psychotherapeutischen Umfeld wurden verschiedene Strategien und Skills entwickelt, die der Verbesserung der Selbstwahrnehmung und -steuerung (Affektregulation) von Borderlinern dienen. Als hilfreich haben sich bestimmte therapeutische Ansätze erwiesen, die den Konzepten der Verhaltenstherapie entnommen wurden. Außerdem haben sich die übertragungsfokussierte Psychotherapie (TFP) und die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) als nützliche Therapieansätze erwiesen. Ergänzend können Achtsamkeitstraining oder Selbstsicherheitstraining dazu genommen werden.

Bei der Psychotherapie sind insbesondere dann Erfolge zu erzielen, wenn diese keinem einheitlichen medizinischen oder psychologischen Standard folgt, sondern individuell auf den Patienten zugeschnitten wird. Das schließt zwar psychiatrische Akut-Aufnahmen, die Behandlung von begleitenden Ess-Störungen, Depressionen oder selbstverletzendem Verhalten in einer Klinik nicht aus. 

Grundsätzlich muss die Psychotherapie für Borderline aber überdacht werden. Die bisherigen Behandlungsansätze der Psychiatrie und Psychologie genügen offenbar nicht. Vielmehr scheint es notwendig zu sein, die neuronalen Spuren im Gehirn neu zu definieren bzw. zu verändern. Multimodale Behandlungsansätze, die neuen Erkenntnissen folgen, müssen dringend entwickelt werden.

Viele Borderliner schätzen kleine Hilfestellungen, die sie im Alltag ohne großen Aufwand in die Praxis umsetzen können. Sie erlernen beispielsweise Fertigkeiten, die stressentlastend wirken, oder die innere Anspannung reduzieren. Sie lernen, wie sie in einer Seelenkrise oder einer anderen Krisensituation ohne selbstbeschädigendes Verhalten ihren Alltag bewältigen können. 

Solche Fähigkeiten oder „Skills“ können in klinischen oder ambulanten Gruppen erlernt und vertieft werden (Affektregulation). Dem einen hilft es, zu joggen. Ein anderer macht eine Fahrradtour oder malt, bis er sich besser fühlt. 

Skills Aggressionen aktuell

 

Ob bei der Behandlung Medikamente zum Einsatz kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Oftmals sind begleitend Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen zu finden, die eine medikamentöse Behandlung erfordern. Häufig wird in psychischen Krisen eine Einweisung in ein psychiatrisches Ambulanz-Zentrum notwendig. Das allein kann aber nur eine Nothilfemaßnahme sein.

Sechs verschiedene Bereiche sind nach heutigem Wissensstand geeignet, um zu nennenswerten Verbesserungen  zu kommen. 

Zum einen ist eine höhere Stresstoleranz anzustreben, damit das Enttäuschungspotenzial und die stressbedingten Über- oder Rückzugsreaktionen abgemildert werden. 

Der Umgang mit den hin und her schwankenden Emotionen ist die nächstwichtige Station auf dem Weg zu einem besseren Miteinander. Sie müssen lernen, wie Beziehungen besser funktionieren. Das erfordert zwischenmenschliche Fähigkeiten und Fertigkeiten. 

Die Betroffenen müssen mehr Achtsamkeit gegenüber sich selbst und anderen entwickeln. Unter anderem können dadurch auch die Wahrnehmungsfähigkeit und die Selbstsicht verändert werden.

In neuerer Zeit kristallisiert sich heraus, dass die Störungen im Gehirn durch spezielles Training, und das bewusste Anlegen neuer neuronaler Spuren behoben werden könnten. Neuere Erkenntnisse der Hirnforschung lassen diesen Schluss zu. Daher kann es sein, dass zukünftig mit der Mentalisierungs-basierten Therapie bessere Ergebnisse erzielt werden können, als mit den bisherigen Therapieansätzen. 

Ebenfalls erfolgreich lässt sich Borderline mit der Dialektisch-Behavioralen Therapie behandeln. Ergänzt wird dieses durch das Antrainieren von hilfreichen Skills, mit denen sie sich in Krisen selbst behelfen können. Diese anerkannte Behandlung bei Borderline wird inzwischen in 35 deutschen Kliniken angeboten. 

Immerhin wiesen 40 Prozent der so behandelten Patienten bei Untersuchungen, die 15 Jahre nach dem Klinikaufenthalt vorgenommen wurden, keine Symptome einer Borderlinestörung mehr auf. 70 Prozent der Befragten und untersuchten Klinikpatienten fühlten sich nach durchgeführten Therapien deutlich besser. Das sind ermutigende Zahlen, die hoffen lassen.

Borderliner müssen deutlich mehr auf ihre körperliche Gesundheit achten – insbesondere in Krisenzeiten oder bei Depressionen, bei inneren Konflikten, nach Enttäuschungen und Rückzugswünschen. Solche Reaktionen führen oft zu selbstverletzendem Verhalten, statt zu gesunden Bewältigungsstrategien. 

Zudem müssen die Borderline-Betroffenen Strategien entwickeln, durch die sie besser mit Problemen, sowie inneren und äußeren Konflikten umgehen können. Das Problem ist: Selbst wenn die Betroffenen genügend Skills erlernt haben, erinnern sie sich oft nicht daran, wenn sie diese anwenden könnten. Sie sind oft so in ihrem Gefühlschaos gefangen, dass nichts anderen zu existieren scheint.

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Selbstverletzendes Verhalten und Suizidalität bei Borderline

Selbstverletzendes Verhalten kann viele Formen annehmen. Dieser sind für die anderen Anwesenden mehr oder weniger offensichtlich. Es ist ein komplexes und schwieriges Thema, das mit viel Fingerspitzengefühl behandelt werden sollte.

Manche fügen sich mit brennenden Zigaretten Wunden zu. Andere reißen sich büschelweise die Haare aus. Manche zerschneiden sich die Arme mit Rasierklingen. An der Tiefe der Wunden lässt sich oft der Grad der Verzweiflung ablesen. Manche Borderliner fahren unter Drogen- oder Alkoholeinfluss absichtsvoll zu schnell, um sich zu entlasten. Andere riskieren mit riskanten sexuellen Praktiken, dass ihnen etwas passiert – nur um sich einmal auf andere Art und Weise zu spüren. 

All das sind Anzeichen innerer Not, die ernst genommen werden müssen. Der Umgang damit sollte möglichst sachlich sein. Das Thema zu umschiffen, und die Signale zu übersehen, ist kein guter Umgang mit diesem destruktiven Verhalten. Es dient als Ventil für innere Qualen. Sie sind unfähig, sich anders zu entlasten. Heute kann man das sogar erklären: Ohne den Schmerz des „Ritzens“ kann das übererregte Hirnareal nicht beruhigt werden, weil die Kontrollinstanz im Hirn zu wenig aktiv ist. Die Wunden müssen fachgerecht versorgt, und notfalls im Krankenhaus genäht werden. Der Betroffene muss lernen, seine innere Not und seine Qualen anders auszudrücken.

Borderliner erleben sich und andere ganz anders, als die meisten Menschen. Sie fühlen sich als Opfer ihrer eigenen Stimmungstiefs und -hochs. Borderliner sind ständig wachsam, um nicht schon wieder anzuecken oder kritisiert zu werden. Das führt zu einer hohen inneren Anspannung, obwohl sie nach außen hin gelassen zu sein scheinen. Das selbstverletzende Verhalten schmerzt die Betroffenen nicht, aber es entlastet sie emotional. 

Borderliner sind in solchen Krisen einerseits gefühlstaub, zugleich aber hochgradig emotional belastet. Sie lindern ihre Pein mit Strategien, durch die sie sich selbst besser spüren möchten. Auch Suchtverhalten ist nicht selten. Im Alkoholrausch können die Betroffenen Anspannungen und emotionale Stauungen leichter loslassen.

Wer sich ständig wie innerlich zerrissen fühlt, leidet an seinem gestörten Selbstbild, sowie der anders gelagerten Körperwahrnehmung selbst am meisten. Nichts ist schlimmer für Borderliner, als die zwischenmenschlichen Krisen in Beziehungen. Die Ängste vor dem Verlassen-Werden oder dem Alleinsein können so massiv werden, dass die Betroffenen ihren belastenden Zustand ein für alle Mal beenden wollen. Mindesten sechzig Prozent der Betroffenen haben in ihrem Leben schon einen Selbstmordversuch, oder Selbstmordphantasien erlebt. Daran kannst Du den Grad der Verzweiflung ermessen, mit dem die Betroffenen auf ihr eigenes Seelenchaos, und ihr ständiges Anecken in engeren Beziehungen reagieren. 

Viele Betroffene landen mit Nervenkrisen in der Psychiatrie oder einem ambulanten Akutzentrum der Psychiatrie. Mindestens sechs Prozent der Betroffenen vollenden den Suizid, weil sie ihr Leben und Erleben unerträglich finden.

Diese Zahl ist ein Hinweis darauf, dass nicht nur das Syndrom selbst einer besseren Behandlung bedarf. Auch die erlebten Traumata müssen möglichst frühzeitig bearbeitet werden. Die seelischen Traumata können eine Art von posttraumatischem Belastungssyndrom ausgelöst haben, das die Borderline-Störung noch verschlimmert. In einigen psychiatrischen Kliniken in Deutschland wird die Traumabehandlung bereits in die Therapie eingegliedert. Die medizinische Welt entfernt sich immer weiter von dem Paradigma, das Borderline nicht heilbar seien. Leider stehen aber bisher nicht genügend Plätze für Therapieangebote nach neuestem Standard zur Verfügung.

 

Lässt sich Borderline heilen?

Tatsächlich sind im Internet Berichte dieser Art zu finden. Interessant ist auch der Blick in die Statistik. Dieser besagt, dass unter den jungen Leuten wesentlich mehr Erkrankte zu finden sind, als unter den 40jährigen. Tatsächlich sind die Heilungsaussichten für Borderline – relativ gesehen – recht gut. Bislang gingen die Psychologen und Psychiater allerdings davon aus, dass es sich um ein bleibendes, lebenslang bestehendes Syndrom handelt. Das gilt inzwischen als widerlegt.

Neurobiologen und Hirnforscher haben nämlich interessante Zusammenhänge im Gehirn entdeckt. Diese legen nahe, dass sich die Störung im Gehirn durchaus beheben lässt, oder sogar selbst beheben kann. So wurde von den Forschern beispielsweise festgestellt, dass das limbische System bei einem Borderliner besonders aktiv ist, während die besänftigenden Signale im präfrontalen Kortex eher schwach ausfallen. 

Hier werden jedoch die Gefühle auf einem erträglichen Maß gehalten. Offensichtlich funktioniert auf dieser Ebene bei Borderlinern etwas nicht richtig. Daher fanden die Forscher heraus, dass Schmerz die übermäßige Aktivität der Gefühle quasi abbremsen kann. Das erklärt das selbstverletzende Verhalten von Borderlinern. Man vermutet aufgrund entsprechender Hinweise, dass das Gehirn eines Borderliners besondere Auffälligkeiten aufweist, die bei nicht erkrankten Menschen nicht anzutreffen sind. Zwar kann man anhand eines Gehirnscans bisher keine eindeutig belegte Diagnose eines Borderline-Syndroms fällen – aber in späteren Jahren wird das vielleicht möglich sein.

Es gibt also Hoffnung – für Borderliner selbst und für deren soziales Umfeld. Diese Persönlichkeitsstörung scheint eben nicht eine bleibende psychische Störung zu sein, sondern vielmehr eine neurobiologische Störung bestimmter Prozesse im Gehirn. Diese wird irgendwann besser behandelbar sein, als jetzt. Bei unabhängig voneinander vorgenommenen Untersuchungen von Mannheimer und Heidelberger Hirnforschern, die akut Erkrankte und schon länger betroffene Borderliner mit einem Gehirnscan untersucht haben, stellten diese verblüfft fest: Viele der bereits länger Erkrankten kamen im Alltag deutlich besser zurecht als früher. Der ehemals auffällige Hirn-Scan glich plötzlich dem von Nicht-Betroffenen – und die typischen Symptome der Erkrankung waren deutlich abgeschwächt.

Ganz offensichtlich kommt es bei manchen Borderlinern zu einer Art Remission. Die Persönlichkeitsstörung behebt sich – man weiß aber noch nicht, wodurch. Möglicherweise haben neuronale Lernprozesse stattgefunden, die die Wahrnehmung der Welt nach und nach verändert haben. Mittlerweile hat die neuropsychologische Grundlagenforschung die ersten Voraussetzungen dafür geschaffen, mit gezielten neuronalen Strategien eine Besserung für die Borderliner zu erzielen. 

Folgt man dem neuronalen Modell, lässt sich diese Erkrankung bessern oder gar heilen. Noch aber sind viel zu wenige spezielle geschulte Psychologen und Kliniken daran beteiligt, diese Erkenntnisse flächendeckend anzuwenden. Fakt ist jedoch, dass die psychiatrischen Abteilungen von deutschen Kliniken zunehmend spezielle Programme anbieten, die auf das Borderline-Syndrom zugeschnitten sind. Eine bisher nur in Luxemburg angebotene „Multimodale integrierte Borderline-Therapie“ könnte sich ebenfalls als erfolgreich erweisen.

Die ambulante Versorgung bleibt jedoch noch immer dahinter zurück. Im Dachverband DTB werden geschulte Psychotherapeuten gelistet, die sich dank einer speziellen Zusatzausbildung mit dem Borderline Syndrom befassen. Die geringe Anzahl solcher Psychotherapeuten lässt ahnen, dass es noch ein weiter Weg ist, bis alle Betroffenen in den Genuss einer funktionierenden Behandlung nach neuestem Standard kommen.

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