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Immer diese Achterbahn

Dieses verdammte Gefühl! Du liebst einen Menschen und wieder hat er dich aufs Tiefste beleidigt und erniedrigt. Wie lange hälst du es noch aus? Du kennst seine Diagnose oder vermutest sie zumindest. Borderline Syndrom. Diese verflixte Krankheit. Gibt es einen Ausweg aus dieser Krankheit?

 

Borderline Achterbahn der Gefühle

Borderline – Bericht einer Betroffenen

„Darf ich mich vorstellen? Ich bin eine Achterbahn. Bei mir herrscht so ziemlich immer ein kleiner Ausnahmezustand und es geht ziemlich drunter und drüber – auch, wenn eigentlich gar nichts passieren kann. Ich bin ein echter Magnet für Ärger, aber die Menschen, die mir wirklich nahestehen, verstehen das und lieben mich wie ich bin. Um das alles herauszufinden, mussten allerdings erst unzählige Beziehungen und Freundschaften zerbrechen und einige Krisen überwunden werden. Ich leide unter einer Borderlinepersönlichkeits-Störung (BPS) und möchte meine Geschichte teilen, um anderen Betroffenen Mut zu machen und Angehörigen zu helfen, die Störung zu verstehen.

 

Der Kampf mit der Ungewissheit – wenn Du merkst, dass etwas nicht stimmt

Zuerst ein paar Randdaten – ich bin weiblich, 20 Jahre alt und vor zwei Jahren wurde BPS bei mir diagnostiziert. Die Medikation ist noch nicht optimal eingestellt, ich fühle mich oft unerklärlich niedergeschlagen und schlapp, aber die Symptome haben sich seit dem Beginn der Behandlung deutlich verbessert und ich komme im Alltag gut zurecht. Ich weiß jetzt, dass BPS ein ständiger Begleiter ist, dessen Symptome nicht immer aktiv sind. Auch in „guten“ Zeiten wie jetzt behalte ich die Medikation deswegen bei (was nicht immer so war).

 

Jetzt springen wir ein paar Jahre zurück: Angefangen hat eigentlich alles im Teenager-Alter/Pubertät. Alles lief normal, ich hatte viele Freunde in der Klasse und war recht beliebt beim anderen Geschlecht, auch wenn ich nicht so der „Jungen-Typ“ war. Mein erster Freund war ein Junge zwei Stufen über mir und wir waren 5 Monate zusammen – hier nennen wir ihn mal Paul. Ich war von Anfang an ziemlich eifersüchtig, was sich nach unserem ersten Mal noch verschlimmerte, und habe ihn manchmal unter Druck gesetzt. Wenn er mit seinen Freunden rausgegangen ist, ist meine Welt jedes Mal untergegangen, obwohl es eigentlich keinen guten Grund dafür gab. Ich dachte, er verarscht mich, und wir haben viel gestritten.

 

Zwei Wochen nach meinem Schulabschluss hat er mich dann wirklich verlassen und ich habe mich total bestätigt gefühlt. Danach konnte ich niemandem mehr richtig trauen, was bis heute anhält.

Nach dem Schulabschluss hat sich unsere alte Clique dann schnell zerschlagen. Meine beste Freundin aus der Schule hat mir einen Jungen vor der Nase weggeschnappt und damit war’s das dann auch. Ich war viel unterwegs, habe viel getrunken und ausprobiert. Filmrisse waren eine Zeit lang an der Tagesordnung für uns und ich musste immer unter Leuten sein, immer.

 

Meine persönlichen Beziehungen und Freunde waren mir immer am wichtigsten und ich hing den ganzen Tag entweder am Handy oder bei meiner besten Freundin rum. Wir haben eigentlich immer nur aufs Wochenende gewartet, Klauen, Kiffen, Stress mit Eltern. Mit Ausbildungen lief es nicht so gut und ich war ständig unglücklich verliebt, aber es wurde alles einfach nicht so richtig. Ich war oft krankgeschrieben und hab die Probezeit deswegen zwei Mal nicht überstanden, die dritte Ausbildung in der Pflege musste ich dann aus gesundheitlichen Gründen abbrechen.

 

Borderline Leere bei allein sein

 

Wenn ich mal alleine war oder etwas Ruhe hatte, kam mir mein Leben sofort völlig sinnlos und leer vor – das ständige Unterwegssein und Feiern führte zu dauerhaftem Stress mit meinen Eltern. 2015 trennten sich meine Eltern und mein Vater ist ausgezogen, danach wurden die Streitigkeiten noch schlimmer.

 

Ich habe mich selbst verletzt und ungefähr 15 Kilo Gewicht zugenommen, obwohl ich noch nie die Schlankste war. Mit jedem Streit steigerte sich das Gefühl, dass keiner mich versteht – meine Freunde und Mädchen von Interesse fanden mich immer erst ganz toll, und haben sich dann doch distanziert.

 

Mit 18 hat meine Mutter dann meine Rasierklingen-Sammlung entdeckt und es gab natürlich wieder Streit. Mein damaliger Freund konnte mich im letzten Moment davon abhalten, mir danach die Pulsadern aufzuschneiden. Er hat mich dann auch überredet, mir professionelle Hilfe zu suchen. Auf Anraten des Psychiaters ging es dann für 4 Wochen in stationäre Behandlung, was die Hölle für mich war. Ich hab mich überhaupt nicht „krank“ gefühlt und habe zu der Zeit jeden als Feind gesehen. Die Medikamente hatten viele Nebenwirkungen und ich wollte mich auf keinen Fall benebeln lassen.

 

Nach der Klinik habe ich dann eine neue Ausbildung in der Pflege angefangen und einen guten Psychiater gefunden, der die Medikation gewechselt hat. Ich habe gelernt, ruhiger auf Kritik und Stress zu reagieren und mein Leben hat sich seitdem ziemlich verändert. Inzwischen habe ich echte Freunde gefunden, die mich verstehen – mein damaliger Freund gehört zu meinem engen Freundeskreis, aber wir haben die Beziehung beendet. Ich habe immer noch Probleme, mich auf neue Kontakte und Kollegen einzulassen und fühle mich schnell abgelehnt, aber der „BPS-Dämon“ kommt nur in Extremsituationen noch heraus. Das Ziel meiner Therapie ist es, die Medikamente immer weiter zu reduzieren und irgendwann ganz abzusetzen.

 

Borderline Vergöttern und Erniedrigen

Das Leben mit BPS

Im normalen Alltag spüre ich eigentlich nichts von meinem „Anderssein“ – meine Stimmungsschwankungen tauchen zu bestimmten Zeiten auf, was meine Mitbewohnerinnen inzwischen mit Humor nehmen und gut zu nehmen wissen. Die frühere „Leere“, die ich beim Alleinsein gespürt habe, kompensiere ich mit gesunden und hilfreichen Ablenkungen. Ich treibe viel Sport und achte stark auf meine Ernährung – Alkohol ist inzwischen absolut tabu. Auf meinem Fitness- und Ernährungsblog teile ich meine Fortschritte und bekomme viel Zuspruch von anderen, was mich zusätzlich antreibt.

 

In niedergeschlagenen Momenten sind meine Mitbewohnerinnen für mich da und seit ich ausgezogen bin, hat sich auch das Verhältnis zu meiner Mutter verbessert. Kritik nehme ich mir immer noch sehr zu Herzen, auch im Job. Einen Freund hatte ich schon länger nicht mehr, obwohl mein Freundeskreis hauptsächlich aus Jungen besteht. Ich sehe die Außenwelt oft schwarz-weiß und mache mir am Anfang eine perfekte Vorstellung von einem Jungen, die dann natürlich immer enttäuscht werden muss.

 

Meine Beziehungen fangen plötzlich an und enden genauso plötzlich, ich bin ziemlich sprunghaft und suche fast schon nach Fehlern, sodass in meinem Privatleben nur wenig Struktur herrscht, bis auf den Sport. Das sind die täglichen kleinen Achterbahnfahrten, die man mit BPS so durchmacht, aber wenn einem bewusst ist, woran es liegt, entsteht nicht jedes Mal eine handfeste Krise daraus. Ich fühle mich als ein normales Mitglied der Gesellschaft und habe meine Eigenheiten ziemlich gut im Griff – meine Erkrankung schränkt mich weder im Job noch Zuhause ein und ich fühle mich meistens wohl in meiner Haut.

 

Das immerwährende Hindernis: Die Vorurteile

Einen kritischen Punkt erreichen meine Beziehungen immer dann, wenn es um’s „Outing“ meiner BPS-Erkrankung geht. Für meine auf die Erkrankung zurückgehende Sprunghaftigkeit haben die meisten Jungen kein Verständnis. Wenn ich versucht habe mich zu erklären, bin ich meist nur auf noch mehr Unverständnis gestoßen.

 

Ich hoffe, dass Berichte von Betroffenen wie mir das allgemeine Verständnis für „Achterbahn“-Persönlichkeiten erhöhen. Mein Gehirn verarbeitet Stress anders als „normal“ und ich sehe die Welt entweder mit einer zu positiven, oder mit einer zu negativen Brille. Seit meiner Diagnose in der Klinik und der anschließenden Therapie bin ich mir dessen viel bewusster und kann mich selbst aus der Sicht von anderen betrachten. Gegenseitiges Verständnis ist der Schlüssel zu funktionierender Kommunikation und einer heilsamen Grundlage für Betroffene – das gilt nicht nur für mich und meine Umwelt, sondern auch für andere BPS-Patienten und den Umgang mit psychischen Störungen im Allgemeinen.“

Was kannst du tun, um eine langfristige und glückliche Beziehung mit einem Borderline-Betroffenen führen zu können?

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