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Verstehst Du mich?

Dieser Text ist für Angehörige von Borderline-Betroffenen. Er erzählt aus der Perspektive eines Borderliners. Dieser Perspektivwechsel soll Dir die Möglichkeit geben, Dich in Deinen Partner hineinzuversetzen.

Borderline – Strategien für Angehörige

„Mit einem Borderliner zusammenzuleben ist so, als lebe man in einem Dampfkochtopf, dessen Ventil defekt ist.“ (Quelle)

Als ich diesen Ausspruch las, bekam ich eine Ahnung, wie schwer es für euch ist, mit mir klarzukommen. Deshalb versuche ich hier, genauer zu erklären, wie sich manches für mich anfühlt und was ich mir von euch wünsche.

Borderline Strategien

 

Mehr als nur Grenzgänger

Der Umgang mit mir ist oft anstrengend. Manchmal fühle ich nichts als eine unendliche Leere in mir. Kurz darauf bin ich wieder impulsiv und unausgeglichen. Mal klammere ich, ein andermal stoße ich euch weg. Wechselbäder der Gefühle zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt – immer und immer wieder. All das gehört zu meinem Krankheitsbild. Nach Konflikten zwischen uns frage ich mich manchmal: Seht ihr mich noch als Tochter, Lebensgefährtin, Freundin oder nur noch als eine Kranke?

Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich lieber ohne Borderline Syndrom leben. Deshalb bitte ich euch, zwei Dinge nicht zu verwechseln: meine Krankheit und mich. Ich bin mehr als diese verdammte Krankheit. Hätte ich die Wahl, könnte ich auf meine Wutausbrüche, die Selbstverletzungen, Tobsuchts- und Heulanfälle gern verzichten. Denn auch für mich ist das anstrengend.

Wenn ihr mich das nächste Mal verflucht, weil ich wieder einmal schwer zu ertragen bin, erinnert euch an das, was ich gerade gesagt habe. Verflucht diese Krankheit. Aber bitte verflucht nicht mich. Wäre ich an Krebs erkrankt, würdet ihr doch auch eher den Krebs verfluchen als mich. Oder?

Für mich ist es wichtig zu wissen, ihr seid für mich da. Wenn ihr mir signalisiert, ich kann immer auf euch zählen, ist das eine große Hilfe für mich. Gebt mir das sichere Gefühl, ihr unterstützt mich, so gut ihr könnt. Vor allem natürlich, wenn es mir schlecht geht. Aber selbst dann, wenn es zwischen uns gerade wieder einmal hoch herging.

 

Borderline - Ich bin Selbstbestimmt

 

Selbstbestimmt

Es gibt Situationen, in denen fühle ich mich von euch unter Druck gesetzt und bevormundet. Beispielsweise, wenn ihr mich zu einer Therapie oder einem Klinikaufenthalt überreden wollt.

Ja, ich bin krank. Aber wisst ihr deshalb grundsätzlich besser als ich selbst, was gut und richtig für mich ist? Wahrscheinlich kennt ihr diesen Spruch, dass auch (mehr oder weniger kluge) Ratschläge eine Art von Schlägen sind. Ihr könnt und müsst nicht entscheiden, was gut für mich ist. Hört auf, mich zu bevormunden.

Klar kann es interessant sein, wenn ihr mir über eure eigenen Strategien oder Erfahrungen von anderen Leuten mit einer Borderline-Störung berichtet. In diesem oder jenem Fall hilft ja solch eine Art Modell. Fragwürdig wird es für mich, wenn es scheint, als gäbe es so etwas wie Erfolgsrezepte. Nur weil jemand dieselbe Krankheit hat wie ich, heißt das nicht automatisch, ich sollte alles genauso machen wie er oder sie.

Oft zweifle ich daran, dass meine Situation sich irgendwann spürbar verbessern wird. Bestärkt mich gerade in solchen Momenten darin, dass ich es schaffen kann, mein Verhalten dauerhaft besser zu steuern und damit positive Veränderungen herbeizuführen.

 

Therapie - Ich stehe unter Strom

 

Keine Therapiespiele

Es gibt Zeiten, da stehe ich völlig unter Strom. Für mich ist diese Anspannung wahnsinnig anstrengend. Deshalb verletze ich mich manchmal selbst. Das löst für den Moment die Spannung. Ich spüre mich endlich wieder. Deshalb ist das eine meiner Strategien zum Abbau von Spannungen.

In der Therapie wird dieser Zusammenhang genau angeschaut und nach Auslösern gesucht. Wenn ich meine ganz persönlichen Auslöser erkennen lerne, kann ich vielleicht irgendwann rechtzeitig gegensteuern. Dann könnte ich diesen Drang, mir Schmerzen zuzufügen, irgendwann loswerden. Aber noch bin ich nicht so weit.

Ihr seht neue Verletzungen, neue Narben. Klar ist das für euch nicht leicht zu ertragen. Aber vergesst niemals: Ihr seid nicht meine Therapeuten. Ob es um Selbstverletzungen, Drogen, Alkoholkonsum oder Fressattacken geht: Hört auf, mir zu erklären, was ich da tue, sei Schwachsinn. Mag ja sein. Aber in diesem Moment hilft es mir. Und bis jetzt kann ich es nicht kontrollieren. Nehmt mich in den Arm oder verarztet meine Wunden. Bringt mich in die Notaufnahme, wenn ich damit drohe, meinem Leben ein Ende zu setzen. Geht auf Abstand, wenn ihr es nicht mehr aushaltet. Bitte tut nicht so, als wären wir in einer Therapie und spart euch gut gemeinte Kommentare.

 

 

Sprecht mit mir

 

Sprecht mit mir

Wir müssen reden. Nur so kann ich hören, was ihr denkt und versuchen euch zu verstehen. Zugegeben: Das funktioniert nicht jedes Mal. Bitte versucht es trotzdem immer wieder. Sagt mir ganz offen, wie sich bestimmte Situationen für euch anfühlen.

Umgekehrt wünsche ich mir, dass ihr öfter nachfragt. Dann kann ich euch erklären, wie es mir geht und was ich gerade empfinde.

Zwar gibt es Wissenschaftler, die davon ausgehen, dass alle von dieser Krankheit Betroffenen absolut anders „ticken“. Könnte also passieren, meine Gedankengänge und Empfindungen sind für euch nicht nachvollziehbar. Findet euch am besten damit ab, dass ihr mich vielleicht nie vollkommen verstehen werdet.

Lasst uns dennoch versuchen, im Gespräch zu bleiben. So haben wir eine reelle Chance, die Welt des Anderen besser zu verstehen. Wenn wir wiederkehrende Situationen genau beobachten und analysieren, gelingt es uns womöglich auch, bestimmte Auslöser zu erkennen.

Nähe und Distanz

Nicht nur, was sexuelle Beziehungen angeht, bin ich oft hin- und hergerissen. Einerseits sehne ich mich nach großer Nähe und viel Verständnis. Ganz oft ist es der Horror schlechthin, wenn ich mir vorstelle, ihr verlasst mich und ich bleibe allein. Andererseits fürchte ich, vereinnahmt zu werden; möchte um jeden Preis unabhängig bleiben. Deshalb ist es richtig, wenn ihr zwischendurch auf Abstand geht. Lasst mich ab und zu einfach in Ruhe. Nur gebt mir bitte nicht das Gefühl ihr haltet es überhaupt nicht mehr mit mir aus.

Falls meine Ängste vor dem Alleinsein mal wieder extrem sind, könntet ihr mir irgendetwas von euch überlassen. Ein T-Shirt, eine Jacke, ein Schmuckstück – manchmal hilft das sehr.

Zusammenhalt

Manchmal rutsche ich nur deshalb in eine Abwärtsspirale, weil ich mich langweile. Umgekehrt geht es mir oft richtig gut, wenn wir etwas zusammen unternehmen. Gemeinsame Erlebnisse sind ja für jede Beziehung wichtig.

In Momenten, in denen ich eher passiv bleibe, wäre es gut, wenn du die Initiative ergreifst. Schlag einfach etwas vor, was wir zusammen machen könnten. Was auch helfen kann, sind Rituale. Wenn wir zu bestimmten Zeiten zum gemeinsamen Essen oder zum Reden verabredet sind, kann ich mich darauf einstellen.

 

Du bist der Fels in der Brandung

 

Fels in der Brandung

Denkt bitte bei meinem nächsten Wutausbruch daran, wie wichtig ihr als Stütze für mich seid. Wenn ich aggressiv bin, reagiert ihr am besten mit Ruhe und Gelassenheit. Bitte schreit mich nicht an und droht nicht damit, dass ihr mich verlasst. Sonst schaukelt sich das immer weiter hoch. Da ich mein Verhalten nicht immer steuern kann, wäre es perfekt, wenn ihr das in solch schwierigen Situationen übernehmt. Solltet ihr euch dazu nicht in der Lage fühlen, dann geht lieber ein paar Schritte ums Haus, als mich anzuschreien.

Langer Atem

Diese Krankheit hat viele Facetten und manchmal habt ihr vielleicht den Eindruck, ihr seid schuld an einem meiner Wutausbrüche oder daran, dass ich mich wieder geritzt habe. Vergesst solche Gedanken ganz schnell. Ihr seid nicht die Ursache für meine Störung.

Genauso wenig könnt ihr diese Störung unter Kontrolle bekommen oder mich zwingen, mein Verhalten zu ändern. Ihr könnt mich nicht heilen. Besser, ihr gebt diese vergeblichen Hoffnungen gleich auf.

Selbst Therapeuten gehen davon aus, es ist ein langer Weg, bis ich besser klarkomme. Und es wird garantiert Rückschläge geben. Ihr solltet viel Geduld haben, wenn ihr mir helfen wollt.

Setzt Grenzen

Euer Leben soll sich nicht nur noch um mich und meine Krankheit drehen. Schlimmstenfalls führt das zu einer Art Co-Abhängigkeit. Davon habe ich nichts und ihr schon gar nicht. Vergesst nicht, euer eigenes Leben zu leben.

Kümmert euch gut um eure eigenen Belange. Lasst auch negative Gefühle zu und heraus, bevor ihr „explodiert“. Nur dann seid ihr stark genug, für mich da zu sein. Für mich ist das Wichtigste, in euch Partner zu haben, die mich auffangen und an die ich mich in schlimmen Zeiten anlehnen kann.

Was kannst du tun, um eine langfristige und glückliche Beziehung mit einem Borderline-Betroffenen führen zu können?

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